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01.02.2017

Was so alles in einem schlummert


Mathias Schlung spielt in der Musical-Premiere von „Wie man Karriere macht, ohne sich anzustrengen“ an der Volksoper den anstrengungslos Karriere machenden Finch.

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Für den aus dem niedersächsischen Göttingen stammenden, sympathischen Schauspieler Mathias Schlung bringt die in Kooperation mit der Staatsoper Hannover entstandene Produktion die Rückkehr an seinen Studienort Wien. „Die Wahl fiel auf Wien, da das Reinhardt-Seminar die zehnte und letzte Schauspielschule war, an der ich zur Prüfung antrat. Ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits drei Zusagen anderer Schulen in der Tasche und bin – motiviert durch eine Kollegin, mit der ich einen Flirt begann – dazu animiert worden, es auch hier zu probieren. Obwohl es die härteste Prüfung war, habe ich sie bestanden, da ich schon die Sicherheit hatte, auch anderswo unterzukommen.“
Neben Klaus Maria Brandauer war der viel zu früh verstorbene Karlheinz Hackl sein Lehrer. Sein Debüt an der Volksoper markiert auch eine Heimkehr an eine ihm vertraute Bühne: „Selbstverständlich habe ich Hackl hier in „La Cage aux Folles“ und
„Mann von La Mancha“ erlebt! Wir hatten ein sehr gutes Verhältnis; durch unsere gemeinsame Begeisterung für Frank Sinat-ra haben wir uns sehr schnell gefunden. Brandauers Verdienst wiederum war es, die Persönlichkeiten von uns jungen Schauspielern freizulegen. Er hat versucht die Klischees darüber, wie man etwas zu spielen hat, wegzuräumen, um so zu einer eigenen Darstellung zu kommen, die nichts und niemanden kopiert.“
Nach dem Studium ging es in das erste Engagement an das Deutsche Theater in Göttingen, wo sofort auch Stücke mit Musik, wie zum Beispiel das alljährliche Weihnachtsmärchen, anstanden. Ähnlich dem von ihm jetzt an der Volksoper verkörperten Finch, der erst im Laufe der Handlung bemerkt, was alles in ihm schlummert, wurde im Schauspieler Mathias Schlung erst später der Musicaldarsteller gleichen Namens erweckt. „Ich hätte mir nie zugetraut, von Anfang an eine Musicalausbildung zu machen, da ich mir sagte, ich bin ja kein Sänger und kein Tänzer.“ Was aber nie so ganz gestimmt hat: „Mit zwölf erhielt ich meine erste Frank-Sinatra-Platte, kaufte mir ein Notenpult und beschallte die Nachbarn mit meinem Gesang. Ich sang in der Stadtkantorei von Göttingen und nahm im Zuge meiner Schauspielausbildung auch Gesangsstunden.“
Zum Tanz hat er eine große Affinität. „Ich war Turniertänzer, habe in der Tanzschule die höchsten Leistungsklassen erreicht. Aber Singen und Tanzen zum Beruf zu machen kam mir damals nicht in den Sinn.“ Doch seine Talente blieben nicht unentdeckt. Eines Tages kam das Angebot für das Musical „Tanz der Vampire“ in Berlin. Weitere Anfragen für das Genre folgten. „Rückblickend betrachtet bin ich froh, ohne Musicalausbildung zum Musical gekommen zu sein. Dort wird meist zu wenig darauf Wert gelegt zu lernen, wie man Geschichten erzählt. Ich gehe die Songs nach wie vor vom Schauspiel her an.“
Ist der Eindruck richtig, dass ihn – ähnlich wie Robert Meyer, seinen Partner in der bevorstehenden Premiere, oder wie auch den im Vorjahr verstorbenen Volksopern-Liebling Ossy Kolmann (alle wie er ursprünglich vom Schauspiel kommend) – die Leidenschaft für das Musiktheater nicht mehr loslässt? „Ja, das stimmt! Es ehrt mich aber sehr, in diese Reihe gestellt zu werden! Für mich gehört es ja zu den großen Wundern unseres Berufes, dass ich jetzt mit Robert Meyer auf Augenhöhe auf der Bühne stehen darf. Zwischen 1994 und 2001 sind wir gemeinsam beim „Jedermann“ der Salzburger Festspiele aufgetreten. Für mich waren das die schönsten Sommer meines Lebens. Damals spielte ich freilich noch eine kleinere Rolle. Und jetzt darf ich mit ihm in einer Hauptrolle spielen!“
Robert Meyer wird in „How to Succeed in Business Without Really Trying“ der Generaldirektor jener Company sein, in der Finch vom Fensterputzer zum Manager aufsteigt. Das gelingt ihm mithilfe des Ratgebers, der dem Stück seinen Namen gab. Die New Yorker Uraufführung 1961 war ein enormer Erfolg. Frank Loessers letztes Musical gilt als sein bestes. Das Stück wurde mit Auszeichnungen überhäuft. Es gewann sieben Tony Awards, unter anderem jenen in der Kategorie „Bestes Musical“, 1962 gewann es den Pulitzer-Preis für Schauspiel in Anerkennung des ungewöhnlich hohen literarischen Niveaus. Die deutsche Version des Stücks erlebte 1965 am Theater an der Wien ihre Erstaufführung. Harald Juhnke und Theo Lingen waren die Rollenvorgänger von Schlung und Meyer.
Dafür, dass Mathias Schlung in den von ihm geliebten genialen Melodien von Frank Loesser in der idealen großen Orchesterbesetzung schwelgen kann, wird wieder Joseph R. Olefirowicz sorgen, der an der Volksoper schon Loessers „Guys and Dolls“ leitete. Matthias Davids, im Haus am Gürtel für seinen „Sweeney Todd“ in bester Erinnerung, führt Regie. Mit diesem Team hat Schlung auch schon in Hannover gearbeitet und etwa dreißig Vorstellungen gespielt. Publikum und Presse reagierten euphorisch. „Mehr Broadway außerhalb New Yorks geht nicht“, konstatierte der „Deutschlandfunk“ über die „mit viel Wortwitz und feiner Ironie“ erzählte Geschichte aus einer „Businesswelt, in der Blenderei alles ist und Ehrlichkeit höchstens ein paar Sekunden währt“ („Hannoversche Allgemeine“).
„Das Stück ist wohl zeitlos!“, befindet Mathias Schlung. „Finch ist aber kein Selbstvermarkter im modernen Sinn. Er macht kein Bild von sich, das nicht der Realität entspricht. Aber er entdeckt mit diesem Buch das in ihm schlummernde Potenzial. Es wird ihm dadurch eine Welt eröffnet. Er betrachtet alles wie ein Spiel, folgt Zug um Zug den Anleitungen. Mit Staunen stellt er fest, dass sie funktionieren. Aber er verfolgt sein Ziel nicht mit Ehrgeiz. Das macht ihn sympathisch. Er wäre sicherlich auch gerne weiterhin Fensterputzer geblieben. Wie ein Kind wundert er sich über die Mechanismen der Geschäftswelt. Oft steht er da und lässt die anderen machen, lässt sie etwas auf ihn projizieren.“ Einfach nur dazustehen und „gerne faul zu sein“ würde auch dem Darsteller dieser Figur gefallen, „aber dann kommt wieder die preußische Disziplin durch, die Sehnsucht, unbedingt geliebt zu werden, perfekt zu sein“, und im Nu stellt er fest, „einzugehen, wenn ich nichts zu tun habe“.
Auch abseits der Bühne frönt Mathias Schlung mehreren Leidenschaften. „Ich bin ein begeisterter, nahezu fanatischer Hotelgast. Das ist großes Schauspiel. Das Hotel als Psychotop. Ich liebe es, Menschen zu beobachten und zu überlegen, was sie so machen, welche Sehnsüchte sie haben. Ich reise gerne in bestimmte Städte, um in bestimmte Hotels zu gehen, wie das Sunset Tower Hotel in Los Angeles, ein wunderbares Art-déco-Haus. Und ich koche gerne, weil ich gerne esse!“ Doch von seiner Theaterleidenschaft lässt er auch in der Freizeit nicht. Den probenfreien Tag vor dem Interview nutzte er für einen Besuch von „My Fair Lady“ an der Volksoper, „und heute gehe ich in den „Diener zweier Herren“ ins Burgtheater. Es ist übrigens wunderbar, dass es an diesen Häusern den Stehplatz gibt! Der war in der Studentenzeit meine zweite Schule.“

Martin Kienzl



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