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01.02.2017

Im Duett mit dem Staatsopernorchester


Christopher Ventris singt in der Neuinszenierung von Richard Wagners „Parsifal“ die Titelpartie.
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Die von Semyon Bychkov am Pult und Alvis Hermanis szenisch betreute Aufführung ist bereits die dritte Staatsopern-Produktion von Richard Wagners “Parsifal”, in der Christopher Ventris mitwirkt. „Noch bevor die Inszenierung von Christine Mielitz kam, gab ich 2003 mein Hausdebüt in der August-Everding-Inszenierung. Es waren die letzten Aufführungen dieser Produktion und Waltraud Meier war meine phantastische Partnerin.“ Die Konstellation ‚Debütant neben Partner mit großer Rollenerfahrung‘ wiederholt sich diesmal, nur sind die Rollen vertauscht. Der aus London stammende Tenor Christopher Ventris singt seine Signatur-Rolle Parsifal, mit der er seit 15 Jahren in aller Welt gastiert. Und die Kundry an seiner Seite wird mit Nina Stemme – einer der bedeutendsten hochdramatischen Sängerinnen unserer Zeit – eine Künstlerin sein, die damit ein mit Spannung erwartetes Rollendebüt gibt. „Wir haben schon gemeinsame Debüterfahrung. 2001 sangen wir beide unsere erste “Walküre”. Damals war sie noch meine Sieglinde, später dann meine Brünnhilde.“
So vertraut wie die letzten “Parsifal”-Inszenierungen der Wiener Oper ist Christopher Ventris auch das Haus selbst. „Ich besuchte hier bereits als Vierzehnjähriger mit meinen Eltern Vorstellungen von „Tosca“ und “Turandot”. Wir reisten zu dritt viel mit dem Auto durch Europa. Und in Sachen Oper war Wien unsere bevorzugte Destination. Mein Vater, ein großer Musikfreund, hatte meine Musikalität früh erkannt und nach Kräften gefördert. Ich wurde als Kind mit klassischer Musik in Berührung gebracht. Als Gymnasiast trat ich in Gilbert-&-Sullivan-Operetten auf und sang im Chor. Und ich lernte schon damals die Musik von Richard Wagner und Anton Bruckner kennen. Als wir durch Bayern und Österreich reisten, zählten natürlich Ottobeuren („Carmina Burana“!) und Sankt Florian (Bruckner!) zu unseren Besichtigungsstopps.“
„In die Zeit Ende der 70er-Jahre fielen auch erste beeindruckende Begegnungen mit großen Künstlern. Wir haben den Chéreau-„Ring“ aus Bayreuth im Fernsehen gesehen. Plácido Domingo wurde mein charismatischer Held, der mich als künstlerisches Vorbild bis heute inspiriert. Später wurde ich dann von ihm nach Washington engagiert. Wenn er mich – wie vor nicht allzu langer Zeit in Wien – in der Garderobe begrüßen kommt, so ist das für mich stets etwas Besonders.“
Selbstverständlich hat Christopher Ventris Domingo oft an der Königlichen Oper seiner Heimatstadt gehört. „Auch den kürzlich verstorbenen Nicolai Gedda habe ich dort als Lenski erlebt, außerdem Siegfried Jerusalem, dessen Wortdeutlichkeit ich bis heute bewundere und zu erreichen versuche. Ich war oft hinter der Bühne und bin ein großer Autogrammsammler.“ Zu Beginn seiner Karriere stand Ventris in kleinen Rollen mit John Tomlinson auf der Bühne der Oper North. „Später habe ich dann an seiner Seite Hauptrollen in Die “Walküre” und “Parsifal” gesungen. Als Parsifal neben einem Gurnemanz wie ihm auf der Bühne zu stehen, schafft eine Art von Vater-Sohn-Beziehung. Das war mit Matti Salminen und Stephen Milling ebenso. Und ich spüre, dass dies auch hier in unserer neuen Arbeit mit Hans-Peter König der Fall sein wird.“
Als Gesangsrolle ist Parsifal nicht zu lang. „Doch man muss als Interpret dieser Partie die Oper in ihrer Gesamtheit begreifen und für sich erschließen. Man steht viel auf der Bühne, ohne zu singen, und hat mit Spannung und Verständnis die Erzählungen von Gurnemanz zu verfolgen. Das Publikum muss diese steigende Anteilnahme spüren. Wenn Parsifal im letzten Aufzug von der schönen Aue singt, so nimmt er damit die Poesie auf, die ihm im ersten Aufzug Gurnemanz vermittelt hat.“
Gurnemanz’ Bestreben, den jungen unerfahrenen Parsifal in die Geheimnisse der Gralsgemeinschaft einzuführen, bleibt anfangs erfolglos. „Um die Entwicklung Parsifals zum Auserwählten, die im Laufe der Oper gezeigt wird, zu verdeutlichen, wurde ich in einer Inszenierung in Buenos Aires im ersten Akt wie ein Straßenjunge gekleidet“, lacht Ventris und gibt zu bedenken, dass Wagner in “Parsifal” viele Freiräume für die Interpretation gelassen hat. „Er spricht bewusst nicht über Christus, sondern über den Erlöser. Und die Anspielungen an den Buddhismus sind evident. Der im christlichen Sinne zunächst Unschuldige lädt erst durch Kundry Schuld auf sich, als er von ihr erfährt, dass seine Mutter gestorben ist, nachdem er sie verlassen hatte. Das befähigt ihn dazu, Mitleid für den verwundeten Gralskönig Amfortas zu empfinden. Parsifal begreift, dass er sich um einen Mitmenschen sorgen kann. Revolutionär ist aus meiner Sicht die Figur der Kundry gestaltet. Sie weiß um ihre sexuelle Anziehungskraft und setzt diese auch bewusst ein. Sie ist eine Frau voller Kraft und Energie – keine Jungfrau oder ein liebendes Mädchen.“
Der Zusammenarbeit mit Regisseur Alvis Hermanis blickt der wohl meistbeschäftigte Parsifal-Sänger unserer Zeit mit großer Zuversicht entgegen. „Er geht sehr stark vom Text aus und geht auf uns Sänger ein. Und er weiß auch Ruhe und Reglosigkeit auf der Bühne zu schätzen. Ich denke, das tut dem Stück gut. “Parsifal” ist kein Werk der großen Operngesten.“
Besonders freut sich Christopher Ventris auf das Orchester der Wiener Staatsoper. „Der Orchestergraben hier ist ungewöhnlich groß. Vor allem aber sitzen die Musiker ziemlich hoch. Im Vergleich zu anderen Häusern könnte man sagen, fast auf Augenhöhe mit uns Sängern. Das unterstreicht den hohen Rang und Stellenwert des Wiener Orchesters. Große Teile des Publikums kommen vor allem, um diese Musiker zu hören. Und wir Sänger können uns mit diesen zu einem Sänger-Orchester-Duett vereinen.“
Über die bevorstehende Premiere hinaus wurde eine weitere Zusammenarbeit von Christopher Ventris mit der Wiener Staatsoper fixiert. „Tannhäuser, den ich erstmals in Paris gesungen habe, und Tristan, der für 2019 in Brüssel geplant ist, sind hier vorerst nicht vorgesehen, aber neben der Wiederholung von hier schon gesungenen Partien werde ich mich bald in zwei für Wien neuen Rollen vorstellen können. Ich freue mich immer, hierher kommen zu dürfen. Nicht zuletzt wegen der Wiener Opernfreunde, die außergewöhnlich freundlich und treu sind.“

Martin Kienzl




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