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02.05.2017

Sehnsucht nach Tiefe


Daniela Fally. Die österreichische Koloratursopranistin singt an der Wiener Staatsoper die Rolle der Sophie in Richard Strauss’ „Rosenkavalier“.
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Es gibt nur wenige österreichische Sängerinnen, die den Sprung an die Weltspitze schaffen. Die Niederösterreicherin Daniela Fally ist eine davon. Auch wenn ihr Weg zunächst nicht ganz linear verlief – sie absolvierte vorerst ein Theaterwissenschaftsstudium sowie eine Musical- und Schauspielausbildung –, startete ihre Karriere im richtigen Moment zielsicher wie eine Rakete.
Nur ein Jahr nach Beendigung ihres Gesangsstudiums an der Wiener Musik-universität holte sie Franz Welser-Möst 2006 für die Neuproduktion der Richard-Strauss-Oper Arabella als Fiakermilli an die Wiener Staatsoper, nachdem er die junge Koloratursopranistin in der Rolle der Bronislawa im Bettelstudenten beim Lehár-Festival in Bad Ischl auf der Bühne erlebt hatte. Mit ihrem kurzen wie auch eindrucksvollen Auftritt als Fiakermilli begeisterte die damals 26-Jährige, die zu jener Zeit noch an der Volksoper engagiert war, das Publikum wie die Kritik gleichermaßen. Nicht nur, dass sie mit souveräner Leichtigkeit die waghalsigen Koloratur-Jodler lupenrein intonierte, legte sie zur Krönung auch noch einen Spagat hin. Ein Sensationsdebüt, das ihr schlagartig die Türen zu einer internationalen Karriere öffnete. Drei Jahre später gehörte sie dem Ensemble der Wiener Staatsoper an, wo sie seither das Publikum begeistert, sei es als Zerbinetta, Regimentstochter, Rosina oder Adele, um nur ein paar ihrer Paraderollen zu nennen.
Im Mai singt Daniela Fally die Sophie in Richard Strauss’ Rosenkavalier im Haus am Ring und ist dabei mit Angela Denoke als Marschallin, Sophie Koch als Octavian, Peter Rose als Ochs sowie Jochen Schmeckenbecher als Faninal von einem erstklassigen Ensemble umgeben. Die Rolle der Sophie ist eine weitere wichtige Opernpartie, die Daniela Fally bereits mehrmals in Wien verkörperte und der sie voll freudiger Erwartung entgegenfiebert, wie die sympathische Sängerin im Gespräch mit der BÜHNE meint: „Ich bin schon sehr gespannt darauf. Seit meinem letzten Auftritt in Wien habe ich die Sophie in Straßburg sowie unter Christian Thielemann an der Semperoper Dresden gesungen, und ich glaube, dass die Rolle nun in stimmlicher Hinsicht eine gewisse Reife erreicht hat, auf die ich mich sehr freue, sie zu benützen.“ Für Daniela Fally ist es immer wieder etwas Besonderes, in Otto Schenks legendärer Inszenierung aus dem Jahr 1968 auf der Bühne zu stehen. Den letzten Schliff für ihre Darstellung dieser Rolle konnte sie sich direkt vom Meister-Regisseur selbst holen, als Otto Schenk im Jahr 2010 seine Inszenierung auffrischte. Die Sopranistin war damals zwar nur Cover, wollte aber bei den Proben unbedingt dabei sein, „um zu hören, was er wirklich zu sagen hat. Es ist einfach schade, dass es Regisseure solchen Schlags nur mehr selten gibt. Otto Schenk arbeitet wirklich an der Personenführung, teilweise bis zum kleinsten Finger: Wie soll die Hand geführt werden und was sagt das aus? Er arbeitet an der gesamten Figur – wörtlich und im übertragenen Sinn.“
Genauestens choreografiert ist auch einer der schönsten Momente der Oper, als Octavian von der Feldmarschallin zum Haus der Faninals entsendet wird, um Sophie die silberne Rose im Namen des Barons Ochs auf Lerchenau zu bringen. Zunächst sieht Sophie den jungen Grafen nicht, da sie einen Knicks macht und den Kopf nach unten beugt. Erst als Oktavian ihr die Rose überreicht, begegnen sich ihre Blicke und sie verlieben sich auf Anhieb ineinander.
Es ist ein Augenblick, in dem die Zeit still zu stehen scheint, und den Richard Strauss in seiner 1911 uraufgeführten Oper voll klanglicher Poesie und Intimität festhält. Statt der zum atmosphärischen Kolorit des Hoffmannsthal’schen Libretto passenden Walzerseligkeit erhebt sich das Orchester dabei mit silbrig schimmernden Farben – den berühmte Rosenakkorden – und unglaublicher Feinheit in sphärische Höhen, worüber die Frauenstimmen zu schweben scheinen, so dass die Musik selbst zu „einem Gruß vom Himmel“ wird. Kann man als Sängerin diese Schönheit des Moments eigentlich genießen und vielleicht mit der Musik mitschweben? „Man kann immer ein bisschen mitschweben, aber man muss gleichzeitig auch die Kontrolle bewahren“, so Daniela Fally, „es bedarf großer Konzentration, damit man diesen filigranen Moment nicht durch eine noch so kleine Unexaktheit in Rhythmus oder Intonation zerstört. Man muss das Piano richtig dosieren und natürlich das Herz in die Stimme legen. Ich versuche, mich in die Situation hineinzudenken und mich sehr ehrlich dem Gefühl hinzugeben.“
Es sind gerade diese intimen und ehrlichen Momente auf der Bühne, nach denen sich Daniela Fally immer mehr sehnt. Hatte sie früher vor allem „Freude am Herumspringen – in vokaler wie auch körperlicher Hinsicht“, wie sie sagt, gehen ihr heute vor allem „die lyrischen, die tief bewegenden Stellen“ besonders nah. Durch gewisse Lebenserfahrungen, wie der Geburt ihrer Tochter, und prägende Lebensereignisse in ihrem Familien- und Freundeskreis fühlt sich die Sängerin „reifer und erwachsener“, was sich auch in ihrer Stimme widerspiegelt, zu der sich „etwas Rundes und Weiches hinzugesellte“, wie Daniela Fally meint.
Was zukünftige Rollen betrifft, verspürt Daniela Fally vor allem „Lust auf das Belcanto-Fach“. Im Jänner gab sie als Amina neben Juan Diego Flórez in Bellinis Sonnambula ein triumphales Debüt an der Staatsoper, wo sie in der kommenden Saison mit Norina in Donizettis Don Pasquale eine weitere Belcanto-Rolle übernimmt. „Ich spüre, dass meine Stimme in diese Richtung gehen möchte, und daran möchte ich nun arbeiten, soweit es meine Stimme erlauben mag. Wenn das mal zu einer Lucia di Lammermoor, also eher zu dramatischeren Partien hingeht, wäre ich sehr glücklich. Schön wäre es auch, einmal die Gilda in Verdis Rigoletto an der Staatsoper singen zu können. Ich habe eine große Sehnsucht nach Figuren, die auch eine gewisse Tiefe, Tragik und Ernsthaftigkeit in sich tragen. “

Karin Maria Frey






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