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02.06.2017

Traumbesetzung in familiärer Atmosphäre


Robert Meyer. Der Direktor der Volksoper freut sich über die höchsten Karteneinnahmen in der Geschichte des Hauses und inszeniert „Vivaldi“.
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Die Volksoper rockt. Als Direktor Robert Meyer klar wurde, welches Potenzial in der Idee zu Christian Kolonovits’ neuem Stück Vivaldi – „Die fünfte Jahreszeit“ steckt, zögerte er nicht lange und erklärte sich bereit, die Uraufführung herauszubringen: „Dazu gibt es aber eine Vorgeschichte “, erzählt er im Gespräch mit der BÜHNE: „Ich habe schon einmal ein Stück von Christian Kolonovits und seiner Librettistin Angelika Messner zur Uraufführung gebracht, nämlich die Kinderoper „Antonia und der Reißteufel“. Das war damals ein riesen Erfolg. Wir werden es sicher auch wieder aufnehmen, sobald die nächste Generation von Kindern herangewachsen ist. Kurz danach hat mir Christian Kolonovits erzählt, dass er ein neues Stück in Arbeit habe, über das Leben Vivaldis, den er für den ersten großen Rockstar hält. Das hat mich überzeugt.“ Zumal die Besetzung der Titelfigur mit Musical-Star Drew Sarich, dem Christian Kolonovits die Partie auf den Leib geschrieben hat, das Ihrige dazu tun dürfte, das Publikum in die Volksoper zu locken. „Drew Sarich ist als Vivaldi eine Traumbesetzung“, schwärmt Robert Meyer. „Ich kannte ihn zuvor nur von der Bühne her, denn er hat sich im Musical, speziell hier in Wien, einen großen Namen gemacht. Es ist ein großes Vergnügen mit ihm zu arbeiten, weil er ganz toll vorbereitet ist, was übrigens auch für alle anderen Darsteller gilt.“
„Vivaldi – Die fünfte Jahreszeit“ ist ein großes, aufwendiges Stück, das szenisch einige Herausforderungen stellt. Doch Robert Meyer, der selbst Regie führt, erzählt mit ansteckender Leidenschaft von der Geschichte. „Das Ganze hat eine Klammer. Diese besteht aus einer italienischen Girl Group, die sich Vivaldi nennt und nach Wien kommt, um hier eventuell noch Spuren von ihm zu finden. Denn Vivaldi ist in Wien gestorben und wurde auf einem Friedhof neben der Karlskirche beigesetzt. Eines der Mädchen findet das Tagebuch von Paolina Giró, der Schwester Annina Girós, die Vivaldis Geliebte war. Die Mädchen beginnen in dem Buch zu lesen, dabei werden wir mit ihnen rund 300 Jahre zurück nach Venedig versetzt. Vivaldi ist ein schon etwas älterer Herr. Seine Freundin Annina hat ihn verlassen, aber Paolina ist noch bei ihm, als seine Haushaltshilfe. Vivaldi beschließt, Goldoni aufzusuchen. Er braucht eine Oper für den Kaiser in Wien. Beide beginnen zu spintisieren und lassen Vivaldis Leben in 16 Bildern Revue passieren.“ Manches in Angelika Messners Libretto hält sich an die biografischen Fakten, anderes ist frei erfunden, manches aber zumindest an belegbare Tatsachen angelehnt. „Die Weihrauchallergie zum Beispiel“, wie Robert Meyer ausführt. „Das ist nicht ganz weit hergeholt. Vivaldi, der zum Priester geweiht wurde, litt wirklich an einer Art Asthma und wurde deshalb vom Lesen der Messe befreit.“ Und was hat es mit dem Zusatztitel „Die fünfte Jahreszeit“ auf sich, die auf Vivaldis berühmteste Komposition, „Die vier Jahreszeiten“, anspielt? „Der Schluss des Stücks spielt wieder am Karlsplatz. Da wird den Mädchen der Girl Group bewusst: „Die fünfte Jahreszeit“ – das sind wir, die Jungen, die Vivaldis Musik weitertragen.“
Es gibt zwar kein Ballett, sonst aber ist das Stück groß besetzt, mit Chor und den Mädchen des Jugendchors, die nicht nur die Girl Group spielen, sondern auch die Schülerinnen der Pietà, jenem Waisenhaus in Venedig, an dem Vivaldi als Komponist und Lehrer wirkte. Und zum Orchester kommt noch eine Rockband im Graben hinzu – was das Orchester vor eine große Herausforderung stellt. Aber die Musiker, wie auch die Mitarbeiter der Akustik, sind, wie Christian Kolonovits erzählt, mit großer Begeisterung bei der Sache. „Das ist das Geheimnis dieses Hauses“, sagt Robert Meyer. „Alle hier halten familiär zusammen. Zum Gesicht der Volksoper gehört, dass man hier an einem Tag „La traviata“, am nächsten „Die Fledermaus“, danach irgendein Musical und dann eben ein Stück wie Vivaldi sehen kann, das weder Oper noch Operette oder Musical ist, sondern etwas ganz Neues.“

MYTHOS MARILYN
Die Uraufführung von „Vivaldi“ beschließt eine erfolgreiche Saison, die mit der Wiederentdeckung von Benatzkys „Axel an der Himmelstür“, von Regisseur Peter Lund in der Ästhetik eines Schwarz-Weiß-Films der 1930er-Jahre mit leichter Hand großartig inszeniert, fulminant begonnen hat. Ein Höhepunkt war auch die konzertante Aufführung von Korngolds Oper „Das Wunder der Heliane“, bei der das Orchester unter Jac van Steen über sich hinausgewachsen ist. „Das hat auch mich sehr gefreut, dass wir mit diesem Werk, das kaum den Weg auf eine Bühne findet, weil es so eine -komplizierte Handlung hat, so -großen Anklang beim Publikum gefunden haben. Ich wurde schon mehrfach darauf angesprochen, es noch einmal zu spielen, was aber nicht so einfach ist, weil wir dafür Gäste engagieren müssen.“
Voll eingeschlagen hat auch die erstmalige Bespielung des Kasinos am Schwarzenbergplatz mit Manfred Trojahns Limonen aus Sizilien. „Ich habe mir immer schon eine zweite Spielstätte für zeitgenössische Stücke gewünscht. Und wie die Erfahrung zeigt, hat es sich gelohnt. Das Publikum war begeistert. Ich möchte dort ein Mal pro Saison Werke in kleiner Besetzung spielen, die vom Bühnenbild her nicht allzu aufwendig sind.“ In der kommenden Saison fiel die Wahl auf „Marilyn Forever“ des englischen Komponisten Gavin Bryars, in der, ausgehend von der letzten Nacht Marilyn Monroes, sich Momente ihres Lebens zu einem Puzzle zusammenfügen, das den Mythos Marilyn ausmacht. „Das landete eines Tages auf meinem Tisch. Wir haben uns mit dem Stück auseinandergesetzt und festgestellt, dass Rebecca Nelsen die ideale Besetzung dafür ist.“

FAMILIENFREUNDLICH
Eröffnet wird die neue Saison am 2. September mit „Offene Bühne: Fest bei Orlofsky“. Das ist mehr als ein „Tag der offenen Tür“, auch wenn all das geboten wird, was zu einem solchen dazugehört, wie ein Kostümflohmarkt oder die Möglichkeit, hinter die Kulissen zu blicken. „Es gibt viele Menschen, die davon träumen, selbst einmal mitzuspielen. Genau das ermöglichen wir ihnen“, sagt Robert Meyer. „An zwei Terminen, um 16.30 und um 19.00 Uhr, spielen wir Teile des zweiten Akts aus der „Fledermaus“. Pro Termin können sich 70 Personen unter die Gäste des Prinzen Orlofsky mischen. Sie müssen im Abendkleid beziehungsweise im schwarzen Anzug, Smoking oder Frack erscheinen, denn Kostümieren können wir sie leider nicht. Ich selbst werde diese Szenen inszenieren, dann dürfen sie das vor Publikum spielen.“ Aber dürfen sie auch mitsingen? „Ja, selbstverständlich! Das sollen sie sogar!“
Wenige Tage später gibt es dann die erste Premiere, „Gypsy“ von Jule Styne, bei der Maria Happel ihr Musical-Debüt geben wird. „Das ist ein tolles Stück“, schwärmt der Direktor. „Es erzählt die Geschichte einer – ich sage immer – Eislaufmutti, die ihre beiden Töchter unbedingt auf die Bühne bringen will. Die Begabtere der beiden springt ab, umso mehr puscht Mama Rose die andere, die tatsächlich zum Star wird, allerdings als Stripperin. Dem liegt eine wahre Geschichte zugrunde. Nachdem ich das Stück in London gesehen hatte, habe ich mir beim Rausgehen gesagt, das mache ich, wenn ich Maria Happel dafür bekomme. Sie hat auch sofort angebissen. Die schwierigere Frage war, sie vom Burgtheater frei zu bekommen, weil sie dort so viel spielt. Aber auch das konnten wir mit Hilfe von Karin Bergmann lösen.“
Apropos Spielen: Robert Meyer wird in der kommenden Saison kein neues Stück inszenieren und sein Rollenspektrum an der Volksoper auch nur um eine kleine Partie in einer Neuproduktion erweitern, den Sternenwart im Musical „Carousel“. „Ich leugne nicht, dass ich sehr gerne auf der Bühne stehe, aber ich möchte es nicht übertreiben. Außerdem spiele ich ja genug Repertoire.“
Mit Verdis „Räubern“ steht in der kommenden Saison eine echte Rarität auf dem Spielplan der Volksoper, und mit „Pinocchio“ von Pierangelo Valtinoni, eine der erfolgreichsten Kinderopern der jüngeren Zeit, ein Stück für die ganze Familie, mit der zauberhaften Juliette Khalil in der Titelfigur. „Darauf freue ich mich sehr“, sagt Robert Meyer. „Die Bühne schaut aus wie ein riesen Aquarium, weil überall Fische herumschwimmen. Das wird eine spannende Sache.“
Kaum ein anderes Opernhaus engagiert sich so stark in Sachen Kinder und Familien wie die Wiener Volksoper. Kinder bis zum 15. Geburtstag erhalten eine Ermäßigung von 75 Prozent. Im September gibt es darüber hinaus die Schultüten-Aktion, in deren Rahmen beim Kauf einer Vollpreiskarte für dieselbe Vorstellung bis zu drei Kinderkarten für nur jeweils einen Euro erworben werden können. „Auf die Ermäßigung von 75 Prozent bei jeder Vorstellung bin ich sehr stolz“, sagt Robert Meyer. „Ich liebe es, in Aufführungen zu gehen, wo es vor Kindern im Publikum nur so wimmelt. Da herrscht eine so große Begeisterung! Die Solisten spielen auch unglaublich gerne für dieses Publikum, und unser toller Kinderchor und der hervorragende Jugendchor wirken in der kommenden Saison in acht Produktionen mit. Wir bauen unser Vermittlungsangebot ständig aus und bieten unter dem Namen Junge Volksoper unter anderem auch Kinder- und Jugendworkshops und Schulprojekte an.“
An Operetten bringt die Volksoper in der kommenden Saison Millöckers „Gasparone“ und Heubergers „Der Opernball“ neu heraus. Dessen Premiere, am 17. Februar 2018, inszeniert von Axel Köhler und dirigiert von Alfred Eschwé, ist zugleich die 100. Neuproduktion der Ära Robert Meyer, der in den vergangenen zehn Jahren die Volksoper zu einem lebendigen und offenen Haus für ein breites Publikum gemacht hat, das ihm diese Bemühungen auch dankbar lohnt. Denn mit Einnahmen von 9,6 Millionen Euro allein durch den Kartenverkauf in der Saison 2015/16 erzielte die Volksoper das bislang beste Ergebnis in ihrer Geschichte. „Das freut mich natürlich sehr. Es geht uns, Gott sei Dank, gut. Es sind in der vergangenen Spielzeit aber auch viele Neuproduktionen wahnsinnig gut gegangen, etwa „Der Mann von La Mancha, Die Schneekönigin, Kismet“ oder „Der Kongress tanzt“, der uns die bislang höchste Operetten-Auslastung bescherte. Damit haben wir uns die Latte extrem hoch gelegt.“
Schnell seien diese zehn Jahre verflogen, sinniert Robert Meyer kurz, um sofort wieder mit Energie und Tatendrang hinzuzufügen: „Aber wir haben ja noch fünf Jahre vor uns. In denen wollen wir so weitermachen wie bisher und Oper, Operette, Musical und Ballett gleichermaßen engagiert bedienen.“

Peter Blaha




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