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"Die Bakchen": Drama des klassischen griechischen Dichters Euripides

Burgtheater

Mit "Die Bakchen" in einer Inszenierung des deutschen Regisseurs Ulrich Rasche eröffnet Martin Kusej seine Direktion.

Dionysos, den seine Anhänger auch Bakchos nennen, ist nach Theben, in die Stadt seiner Herkunft, zurück­gekehrt, um seine Anbetung zu erzwingen. Pentheus, der neue Herrscher Thebens, hat eine säkulare Ordnung geschaffen und erkennt die göttliche Abstammung des Dionysos als Sohn des Zeus nicht an. Große Teile der Bevölkerung unter Führung von Pentheus’ Mutter Agaue hat der Gott bereits in seinen Bann geschlagen, sie feiern als Bakchen in den nahegelegenen Bergen Orgien zu Ehren des neuen Gottes. Die Bakchen ist ein Drama der Krise. Seine Uraufführung findet 406 v. Chr. nach fast dreißig Jahren Krieg mit Sparta kurz vor der Niederlage Athens statt. Es ist eine Zeit der Gegenaufklärung, der Intoleranz, der Ketzer­verfolgung. Der griechischen Aufklärung, die das Denken des fünften vorchristlichen Jahrhunderts bestimmt hatte, wird der Prozess gemacht. Euripides hat sich aus Athen abgesetzt.In Die Bakchen versucht Pentheus, der Erosion des öffentlichen Lebens mit polizeilichen und militärischen Mitteln Einhalt zu gebieten. Als er sich selbst in die Nähe der Bakchen begibt, wird er von diesen in Stückegerissen. In verblendetem Triumph zieht Agaue, den Kopf ihres Sohnes in den Händen, nach Theben ein. Doch das grausame Erwachen bleibt ihr und der Stadt nicht erspart.Das vermutlich letzte vollendete Drama des letzten der drei großen Autoren der griechischen Klassik, einer der Grundtexte des europäischen Theaters, eröffnet die neue Direktion am Burgtheater.